Heinz Werner Wessler
Spiritualität und Selbstoptimierung
Indische Religionen in der westlichen Spätmoderne

Als die Beatles in den 1960er-Jahren auf der Suche nach spirituellen Alternativen zu Maharishi Mahesh Yogi nach Rishikesh pilgerten, wurde dies noch als sensationeller Ausbruch aus den Gleisen des westlichen Materialismus angesehen. Dies ist heute anders. Yoga- und Meditationskreise haben längst den Nimbus der esoterischen Kreise, der Hippie-Generation und der einstmals verunglimpften Guru-Kulte hinter sich gelassen. Sie sind aus dem Milieu der „Performer“ der vieldiskutierten Sinus-Milieustudie ausgebrochen und voll in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Nach Angaben des Verbands der Yogalehrenden in Deutschland haben 16 Prozent der Bevölkerung Erfahrung mit Yoga-Übungen, fünf Prozent praktizieren aktuell. Hinduistische und buddhistische Angebote knüpfen an tiefliegende Bedürfnisse nach Meditation, Entspannung, Selbstsuche und spiritueller Wellness an. Yoga und Achtsamkeit sind Lebensstil, unaufgeregter Teil von Selbstinszenierungen – und ökonomisch gesehen: ein Milliardengeschäft.

Zum Autor

Heinz Werner Wessler lehrt an der Fakultät für Sprachen und Philologie an der Universität Uppsala und ist im Vorstand des Südasienbüros e.V.

Südasien 4/2019