Rajinder Singh Bedi
Die Quarantäne
Eine literarische Rückschau

Im Jahr 1939 veröffentlichte der Autor den nachfolgenden Text zum Thema Quarantäne. Bei manchen Alltagsszenen ist allenfalls am Sprachduktus zu erkennen, dass nicht das Jahr 2020 gemeint sein kann. Selbst die Schicksalsergebenheit einer Person wie Bhagu kommt einem bekannt vor.

Zum Autor

Rajinder Singh Bedi (1915-1984) ist einer der bedeutendsten Urdu-Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Er stammt aus einem Dorf im westlichen Panjab (heute Pakistan) und arbeitete in den für ihn prägenden Jahren vor der Unabhängigkeit in Lahore. 1947 sah er sich als Sikh gezwungen, nach Delhi überzusiedeln. Als Verfasser stand er der Bewegung der progressiven Schriftsteller nahe, schrieb rund 70 Kurzgeschichten – die erste Sammlung erschien bereits 1936 – und betätigte sich auch als Dramatiker, Filmregisseur, Drehbuchautor und Dialogautor im Hindi-Kino. Er erhielt mehrfach hohe Auszeichnungen, so 1959 den Filmfare Best Dialogue Award für das Skript des FilmsMadhumati, 1965 den Sahitya Akademi Award, 1971 den Filmfare Best Dialogue Award für den Film Satyakam, Padma Sri 1972 und den Ghalib Award 1978. Bis weit ins 20. Jahrhundert traten im kolonisierten Indien immer wieder Epidemien auf, zu deren Bekämpfung die Kolonialbehörden in den Städten Quarantänestationen errichteten, in die Personen mit Krankheitssymptomen zwangsweise verfrachtet wurden. Vor allem flackerten immer wieder die Cholera und die Pest auf – noch 1994 trat eine lokal begrenzte Pestepidemie in Gujarat auf.

Südasien 2/2020