Theodor Rathgeber
Alternde Bevölkerungen – ein Überblick
Bedürfnisse und Schwachstellen in ausgewählten Ländern

Das gesellschaftspolitische Umfeld zum Thema alternde Bevölkerung in Südasien ist in den vorausgehenden Artikeln hinreichend beleuchtet worden. Der folgende kursorische Überblick konzentriert sich auf Situationen in den Ländern Afghanistan, Bhutan und den Malediven sowie auf Quellenhinweise.

Im Vordergrund der nachfolgenden Bestandsaufnahme zur alternden Bevölkerung in Südasien stehen die Themen Regierungsprogramme, Wohnung, Gesundheit, Sozial- und Rentenprogramme, Verkehrsinfrastruktur und Familienverbund. 

 

Afghanistan

 

Im Jahr 2019 lebten in Afghanistan 36,5 Millionen Einwohner/-innen, für 2022 werden rund 38 Millionen vorhergesagt. Im Jahr 2019 betrug der Anteil der Altersspanne von Geburt bis 14 Jahre rund 42,5 Prozent der Bevölkerung. Rund 54,9 Prozent waren zwischen 15 und 64 Jahre alt und rund 2,6 Prozent 65 Jahre und älter. Afghanistan zählt damit nicht nur zu den ärmsten Ländern, sondern weltweit auch zu den Ländern mit dem niedrigsten Durchschnittsalter. Der Altersmedian liegt bei 18,4 Jahren. 

 

Ein Grund dafür ist allerdings die prekäre Sicherheitslage, die inzwischen über Jahrzehnte andauert und unter anderem zu einer relativ geringen Lebenserwartung von 66 Jahren bei Frauen, 63 Jahren bei Männern und durchschnittlich 64 Jahre beiträgt.1 Ein Vertreter der Nichtregierungsorganisation Age International bezeichnete Afghanistan mit Blick auf den bewaffneten Konflikt als schlechtesten Platz auf dem Planeten, um alt zu werden.2

 

Afghanistan weist mit etwa 4,5 Kindern pro Familie eine zwar hohe Geburtenrate im Jahr 2017 auf, die aber insgesamt im stetigen Sinken begriffen ist. Die Kindersterblichkeit ist hoch – 2016 erreichten rund 6,2 Prozent der Kinder nicht das fünfte Lebensjahr – aber ebenfalls abnehmend. Der Bevölkerungszuwachs in den letzten Jahren wird zu Teilen durch die verstärkte Rückkehr von afghanischen Kriegsflüchtlingen aus den Nachbarstaaten erklärt.3 Der Gesundheitsminister Afghanistans sieht eine zunehmende, prozentuale Veränderung des Anteils der älteren Bevölkerung und führt dies auf Verbesserungen beim allgemeinen Gesundheitszustand, der Ernährung in der Kindheit, der Veränderung des Lebensstils und eine bessere Haushaltsführung zurück.4

 

Ältere Menschen spielen nach wie vor gerade in den Stammesgesellschaften traditionell eine führende Rolle in ihren Familien und Gemeinschaften. Auf dem Land sind ältere Menschen (fast ausschließlich Männer) die wichtigsten Verhandlungspartner für die lokale Streitschlichtung. Ältere Menschen sind auch die Hauptakteure bei der Pflege der traditionellen Kultur und den Zeremonien. In städtischen Milieus ist dies anders. Hier gibt es Berichte, dass Familien zunehmend öffentlich die Betreuung älterer Menschen als wirtschaftliche Belastung empfinden.5

 

Die afghanische Verfassung (unter anderem Artikel 22) schreibt gleiche Rechte für alle Bürger/-innen vor, unabhängig von Alter und Geschlecht. Der Staat garantiert zwar die Rechte von Rentner(inne)n und leistet die notwendige Hilfe für ältere Menschen, Frauen ohne Betreuer, behinderte Menschen sowie arme Waisen nach den Bestimmungen des Gesetzes. Rechtsvorschriften zum Thema Diskriminierung aufgrund des Alters und Geschlechts gibt es allerdings nicht.6 

 

Die Gesundheitsversorgung und medizinische Behandlung ist gemäß der afghanischen Verfassung für alle Bürger/-innen ungeachtet ihres Alters und Geschlechts kostenlos. Aber konkrete Politikansätze oder in der Praxis umgesetzte Programme, die sich speziell mit den Rechten älterer Menschen in Afghanistan befassen, existieren bislang nicht. Kommt hinzu, dass außerhalb Kabuls und der Provinzhauptorte eine staatliche Verwaltung nur wenig in Erscheinung tritt. Angesichts der vom Krieg gezeichneten Lage des Landes ist die Regierung nicht in der Lage, selbst das Wenige an programmatisch geplanter Gesundheitsversorgung und Behandlung armer älterer Menschen angemessen zu gewährleisten.7

 

Gemäß der islamischen Religion sowie der traditionellen Kultur der Stammesgesellschaften werden Ältere von älteren Söhnen und Töchtern betreut. Ein kinderloses Paar ist insbesondere auf dem Land die Ausnahme. Im Einklang mit dem Koran gehören die Achtung und der Schutz der älteren Eltern zu den religiösen Pflichten jedes jungen Sohnes oder jeder jungen Tochter. Entsprechend der Scharia sind die älteren Söhne nach dem Tod der Eltern sogar verpflichtet, fällige Darlehen der Eltern zurückzuzahlen. Ältere Menschen, die keine Kinder haben oder sehr arm sind, werden von entfernten Verwandten im Dorf versorgt. Obdachlose ältere Männer werden in einem freien Zimmer in einem Dorf oder in einer Moschee untergebracht und von Dorfbewohnern auf der Grundlage der Nächstenliebe ernährt. Hat eine ältere Frau weder einen Sohn, noch eine Tochter, noch einen männlichen Partner, wird sie von einem ihrer entfernten Verwandten versorgt.8

 

In den Städten lebt eine Reihe sehr armer und mittelloser älterer Menschen vom Betteln auf der Straße. Die Regierung verfügt bisher über keine angemessenen Einrichtungen, um mittellose und obdachlose ältere Menschen unterzubringen und zu ernähren. Es gibt solche Einrichtungen in einigen wenigen Provinzen, diese befinden sich aber in einem bescheidenen Zustand. Die afghanischen Organisationen der Zivilgesellschaft haben noch keine Programme entwickelt, um auf die Bedürfnisse mittelloser älterer Menschen einzugehen. Ältere Menschen in reichen und Mittelschichtsfamilien haben hingegen kein Problem mit der Betreuung und dem Lebensunterhalt. 

 

Wie in anderen Ländern bevorzugt der Arbeitsmarkt in Afghanistan bei der Rekrutierung die qualitativen und quantitativen Fähigkeiten einer Person. Nach dem Gesetz zum öffentlichen Dienst beträgt das Renteneintrittsalter hier für Männer und Frauen 65 Jahre. Ältere über 65 Jahre können in privaten Unternehmen weiter arbeiten. Für diejenigen, die ihr eigenes Privatunternehmen betreiben, gibt es keine Altersgrenze. Die pensionierten Staatsbediensteten erhalten ein Pensionsgehalt, das beim Tod des Bediensteten an den oder die Ehepartner/-in und an minderjährige Kinder bis zum Alter von 18 Jahren weiter bezahlt wird. Es gibt für ältere, verarmte und arbeitslose Menschen keine Sozialhilfe. Aus der Not und Furcht heraus zu verarmen, hatten 2004 ältere Beschäftigte (von 50 bis 60 Jahre und älter) eine Fabrik besetzt (Jangalak-Fabrik in Kabul), um die Holzproduktion wiederzubeleben und irgendeine Art von Einkommen zu generieren.9

 

Bhutan

 

Das Königreich Bhutan postuliert das Recht auf Glück für jede(n) Bürger/-in. Dies umfasst ergo ebenso ältere Menschen. Dieses Recht bedeutet, grob gesprochen, dass Staat und Regierung einen ganzheitlichen Politikansatz verfolgen sollen, demzufolge Fortschritt nicht nur ökonomischen Aspekten des Wohlergehens folgt, sondern der nachhaltigen Entwicklung und der sozialen, kulturellen sowie geistigen Förderung die gleiche Bedeutung beimessen soll. Die gegenwärtige ältere Generation ist gleichwohl mit vergleichbaren Problemen wie in Nachbarländern konfrontiert. Dazu gehören Phänomene der Globalisierung, der Verstädterung mit sich wandelnden Beziehungsstrukturen und veränderte Rollenzuweisungen. 

 

Im Königreich Bhutan mit rund 780.000 Einwohner(inne)n zählen rund 55.000 Menschen zur älteren Bevölkerung über 60 Jahre. 80-Jährige machten 2017 rund 0,9 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Der Anteil der Älteren nimmt gemäß den Prognosen des Nationalen Statistikamtes jedes Jahr zu. Die Lebenserwartung hat sich erheblich erhöht und von 32,4 Jahren im Jahr 1960 auf knapp 70 Jahre im Jahr 2014 mehr als verdoppelt. Bis zum Jahr 2030 soll die Lebenserwartung 75 Jahre betragen. Der Anteil der Erwachsenen über 60 Jahre soll von aktuell rund sieben Prozent der Bevölkerung bis 2045 voraussichtlich auf 11,2 Prozent steigen.10 Der Anteil der über 60-Jährigen ist in ländlichen Gebieten nach wie vor deutlich höher. Rund sechs Prozent der Gesamtbevölkerung über 60 Jahre wohnen dort. Ältere Menschen in städtischen Gebieten machen rund 1,3 Prozent der Gesamtbevölkerung aus.

 

Ein staatlich gefördertes System zur Unterstützung älterer Menschen existiert, abgesehen von Nothilfe (beispielsweise das Kidu-System), nur ansatzweise. Die Sozialrentensysteme National Pension and Provident Fund (NPPF), Royal Insurance Corporation Limited (RICBL) und Bhutan Insurance Company Limited (BICL) erreichen die allermeisten Älteren nicht. Grundsätzlich herrscht in Bhutan noch die tradierte soziale Unterstützung typischerweise durch die Familie und die (ländliche) Gemeinschaft vor (dhamtshi-Prinzipien). Demografische Verschiebungen, ein verändertes gesellschaftliches und wirtschaftliches Umfeld lassen jedoch erkennen, dass dies so nicht mehr ausreicht und eine zusätzliche soziale Unterstützung für ein gesundes und erfülltes Altern notwendig wird.11

 

Umgekehrt bedingt die Einbettung der Älteren in tradierte Beziehungsgeflechte nicht schon glückliche Zustände. Mindestens in den Städten lebende Ältere wollen sich mit der Rolle des „Glaubenshüters“ innerhalb der Familieneinheit nicht mehr einfach zufriedengeben. Auch sie wollen, dass ihnen ein produktiverer Zweck zuerkannt wird. Ein Bericht des staatlichen Sozial- und Kulturausschusses aus dem Jahr 2017 stellte fest, dass laut Umfrage 73,8 Prozent der Senior(inn)en danach streben, spirituelle Praktiken zu erlernen. 18,4 Prozent ziehen es vor, zu Hause bei ihren Familien zu bleiben, und 7,7 Prozent würden gerne ein Unternehmen wagen.12

 

Die Regierung hatte 2016 den Sozial- und Kulturausschuss beauftragt, einen Bericht zur Verbesserung des physischen und emotionalen Wohlbefindens der Senior(inn)en im Land auszuarbeiten, unter Berücksichtigung der nachhaltigen Entwicklungsziele (Sustainable Develpment Goals – SDG). Der Bericht empfiehlt die Ausarbeitung spezifischer Politikansätze und Programme, die unter anderem ein erweitertes Familiensys-tems fördern, den sozialen Schutz staatlicherseits gewährleisten, die geriatrische Versorgung in den Basisgesundheitseinheiten stärken, die Funktionen des Sozialsystems in Bezug auf Familienpflege klarer definieren und älteren Menschen, die misshandelt wurden, ein Zuhause und eine Unterkunft bieten sollten. Sie empfiehlt auch, Freizeiträume bereitzustellen, die für alte und behinderte Menschen geeignet sind. 

 

Die Senior(inn)en selbst äußerten in dem Bericht die Erwartung, dass in der Nähe ihrer Wohnung Gesundheitseinrichtungen vorhanden sind und Alterspflegeheime in der Nähe von Klöstern geschaffen werden. Die Senior(inn)en klagten über die zunehmende Erwartung ihrer Kinder, oft auf die Enkel/-innen aufzupassen. Die vormals – öffentlich – unwidersprochene Einpassung der Älteren in tradierte Familien- und Sozialstrukturen wird nicht von vielen, aber einigen inzwischen bezweifelt, und die Regierung geht davon aus, dass es mehr werden und insofern Regierungshandeln gefragt ist.

 

Malediven

 

Die Gesamtbevölkerung für die Malediven wird für das Jahr 2018 mit rund 400.000 Einwohner/-innen ausgewiesen. Die Hauptstadt der Republik, Malé, beherbergt über die Hälfte der Bewohner/-innen. Schätzungen auf der Basis des Zensus von 2014 gehen davon aus, dass etwa 17.000 ältere Erwachsene im Alter von 65 Jahren und darüber auf den Inseln leben. Das wären fünf Prozent der Gesamtbevölkerung.13 Davon leben 4500 Personen im Alter von 65 Jahren und darüber in Malé. Es wird erwartet, dass sich die Bevölkerung im Alter von 65 Jahren und darüber bis 2030 mehr als verdoppelt wird. 

 

Die Lebenserwartung auf den Malediven ist in den letzten 15 Jahren von 70 auf 79 Jahre gestiegen.14 Die Lebenserwartung hat sich damit seit 1955 (35 Jahre) mehr als verdoppelt. Die Geburtenrate sank von durchschnittlich 7,5 Kindern im Jahr 1980 auf durchschnittlich 2,2 Kinder pro Familie im Jahre 2015. Steigender Wohlstand, bessere Kranken- und Hygienestandards sowie sich ändernde Rollenerwartungen an Frauen haben dazu beigetragen. Letzteres, obwohl die Malediven noch stark von der sunnitischen Religion geprägt sind und die Scharia Grundlage des Rechtswesens ist.

 

Das Krankenversicherungssystem Aasandha, das im Januar 2012 eingeführt wurde, ist der älteren Altersgruppe substanziell zugutegekommen, da es die finanzielle Belastung der Familien in Fällen der Gesundheitsversorgung älterer Erwachsener abgemildert hat.15 Seit 2010 ist außerdem ein staatlich finanziertes Grundrentensystem für Ältere in Kraft, das allen Bürger/-innen ab 65 Jahren offensteht. Im Jahr 2018 betrug die staatliche Rente 5000 Rufiyaa (MRf) pro Monat, etwa 300 US-Dollar.

 

Die meisten Familien in Malé leben in Zwei- bis Dreizimmerwohnungen bei kleinen Zimmern. Ältere Erwachsene müssen sich häufig Zimmer mit Enkelkindern teilen. Soweit junge Paare Vollzeit arbeiten, wird die Unterstützung und Betreuung älterer Eltern zu einer zusätzlichen Belastung. Einige ältere Menschen werden von einer Hausbediensteten betreut, ältere Frauen kümmern sich um die Enkelkinder und bereiten die Mahlzeiten für die Familie zu. Sie haben dadurch jedoch kaum Zeit, sich mit Freund(inn)en zu treffen oder andere Familienmitglieder zu besuchen.16

 

Traditionell werden ältere Familienmitglieder in einem erweiterten familiären Umfeld betreut. Das ist heute nicht mehr allen Familien möglich, bedingt nicht zuletzt durch die engen Räumlichkeiten in der Wohnung. In einigen Fällen werden die Eltern auf abgelegenen Inseln belassen, damit sie dort ihr Leben führen können. Andere werden in ein Zentrum für gefährdete Erwachsene auf der Insel Guraidhoo geschickt. Auf den Malediven gibt es keine speziellen Einrichtungen für eine geriatrische Versorgung. Altersbedingte kleinere Krankheiten werden in Mehrzweckkrankenhäusern behandelt. Nur wenige Nichtregierungsorganisationen kümmern sich in Malé um ältere Erwachsene.17 

 

Die Älteren selbst scheinen es unbeschadet aller Belastungen vorzuziehen, bei ihren Kindern zu leben und wissen die Betreuung durch ihre Kinder zu schätzen. Es mag die Anpassung ans Unvermeidliche dahinter stehen, denn gerade in Malé fehlen preislich tragbare Wohnungen. Mit Ausnahme reicher Familien ist kaum eine der Wohnungen altersgerecht angepasst oder für Familien geeignet, die sich entscheiden wollten, mit den älteren Eltern zu leben. In den Interviews der hier zitierten Studie nahmen ältere Personen die physischen und sozialen, altersbedingten Barrieren im Alltag allerdings durchaus mit Besorgnis wahr und fürchteten um die Möglichkeit, sich selbständig bewegen und soziale Kontakte pflegen zu können. 

 

Alternde Bevölkerungen in internationalen Programmen

 

Zustandsbeschreibungen älterer Menschen in Südasien und Vorschläge zur politischen und sozialen Bewältigung der Bedürfnisse und Schwachstellen finden sich in vielen Programmen der Vereinten Nationen. Die thematischen Schwerpunkte umfassen alles, was in den vorhergehenden Artikeln angesprochen wurde: spezielle Unterstützung der Ältesten, wirtschaftliche Abhängigkeit einerseits und eigenständige wirtschaftliche Aktivitäten andererseits, Gesundheitskosten, Nahrungssicherheit, Gesundheit und Behinderung, Bedarf an Langzeitpflege, Beeinträchtigung der Mobilität, Wohnverhältnisse, Rolle der Familie, Wohlbefinden der älteren Menschen. In Bezug auf das Regierungshandeln im Makrobereich stehen Sozial- und Rentenprogramme, Verkehrsinfrastruktur oder Arbeitsmarktpolitik im Vordergrund. 

 

Die meisten Programme sind so ausgerichtet, dass sie die Selbststärkung vorhandener Fähigkeiten und Ressourcen im Auge haben. Eine durchgängige Änderung im Vergleich zum tradierten sozialen Umfeld in vielen Ländern streben die Programme allerdings in Bezug auf die Rolle von Frauen an. Dies beginnt oft schon im Programm oder Projekt selbst, indem leitende Funktionen möglichst mit – einheimischen – Frauen besetzt werden. Die Familie oder der Klan stellen nach wie vor eine wichtige Determinante und Ausgangspunkt für eine gute Praxis zur Verbesserung der Lebensumstände älterer Menschen dar. 

 

Ohne Anspruch auf annähernde Vollständigkeit seien einige oft aufgerufene Quellen genannt. Für statistische Informationen zur Alters- und Sozialstruktur werden häufig die Publikationen der Weltbank,18 der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD),19 der Weltgesundheitsorganisation (WHO),20 des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen UNDP21 oder der UN-Index der menschlichen Entwicklung (Human Development Index - HD)22 herangezogen. Spezieller auf Südasien bezogen sind Angaben der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB)23 oder Initiativen und Plattformen wie der Global AgeWatch Index.24

 

In den Recherchen zum Schwerpunkt dieses Heftes sind zum einen die Diskussionen und Bewertungen der Ziele der nachhaltigen Entwicklung (Sustainable Development Goals –SDG) als inhaltlicher Rahmen genannt worden.25 Das Motto „Wir lassen niemanden zurück“ liest sich passgenau auch für das Thema alternde Bevölkerungen. Die SDGs formulieren die Auswirkungen demografischer Trends auf die gegenwärtige wie die zukünftige Generation. Zwar schon etwas zurückliegend, aber in einigen Ländern immer noch einen aktuellen Bezug aufweisend, ist der „Madrider Aktionsplan“ aus dem Jahr 2002.26 Er stellte damals eine neue Agenda für den Umgang mit alternden Bevölkerungen im 21. Jahrhundert dar. Er konzentriert sich auf die Bereiche ältere Menschen und Entwicklung, Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden bis ins hohe Alter sowie die Gewährleistung eines fördernden und unterstützenden Umfelds. Vieles davon ist bis heute unerledigt.

 

Oft wird das Thema so behandelt, dass die Staaten und Regierungen darauf vorbereitet sein sollen, sich den negativen Auswirkungen der demografischen Veränderungen zu stellen. Einige Programme – und nicht letzt die Informationen und Analysen in diesem Heft – beschäftigen sich allerdings auch mit den Chancen.

 

 

Zum Autor

Theodor Rathgeber ist Redakteur der Zeitschrift SÜDASIEN

 

Endnoten

1 https://de.statista.com/statistik/daten/studie/242841/umfrage/laender-mit-dem-niedrigsten-durchschnittsalter-der-bevoelkerung.

2 https://news.trust.org/item/20150909
084236-zg30k.

3 https://de.statista.com, op.cit., Fußnote 1.

4 https://unama.unmissions.org/afghanistan%E2%80%99s-rising-elderly-population-impacts-social-services.

5 UN Hochkommissariat für Menschenrechte – OHCHR: Questionnaire on Situation of the Rights of Older Persons. Answered by Afghanistan Independent Human Rights Commission (AIHRC), 2018, https://www.ohchr.org/Documents/Issues/OlderPersons/Submissions/AfghanistanIndependentHumanRightsCommission.pdf. Siehe auch den Bericht des UN-Sonderberichterstatters an die UN-Generalversammlung vom Oktober 2019, Dokument A/74/186.

6 Unabhängige afghanische Menschenrechtskommission (AIHRC): Older Persons and Multiple Discrimination, Bericht an die UN-Arbeitsgruppe zu den Rechten älterer Menschen, New York, 2011, https://social.un.org/ageing-working-group/documents/Older%20person%20(Afghanistan).pdf.

7 Dto.

8 Dto.

9 http://globalag.igc.org/armedconflict/countryreports/middleeast/afghanistan/kabul.htm.

10 Lobzang Dorji: Predicting Factors of Successful Aging Among Community Dwelling Older Adults in Thimphu, Bhutan, in: The Bangkok Medical Journal, Vol. 15, Februar 2019.

11 Lham Dorji, Cheda Jamtsho, Tashi Norbu, Garul Dhoj Bhujel: Understanding the Situation of Elderly Citizens in Bhutan, National Statistics Bureau of Bhutan, 2017, https://www.researchgate.net/publication/322498758_Understanding_the_Situation_of_Elderly_Citizens_in_Bhutan.

12 Artikel in The Bhutanese: Bhutan expected to have the largest increase in longevity from 65 to 75 years in Asia by 2030, 25. November 2017.

13 National Bureau of Statistics: Maldives Population and Housing Census 2014, Statistical release 1: Population and Households, 2014, http://planning.gov.mv/nbs/wp-content/uploads/2015/10/Census-Summary-Tables.pdf.

14 Aishath Nazra: Perceptions of Ageing Among Older Adults Living in Malé, Maldives and Implications for Provision of Support, Institute for Research and Innovation, Villa College, Maldives, 2018, http://villacollege.edu.mv/qi/public/storage/journal-articles/November2018/KxwYZIF7TLFpc1bJcYqx.pdf.

15 S. Nagpal, S. Redaelli: Health Expenditure, Equity and Evolution of Aasandha. Maldives Health Policy Note, Weltbank, Washington DC, 2013, http://documents.worldbank.org/curated/en/884371468050349732/pdf/812480BRI0P12100Box037933B00PUBLIC0.pdf

16 Aishath Nazra, op.cit., Fußnote 14.

17 Dto.

18 http://documents1.worldbank.org, etwa http://documents1.worldbank.org/curated/en/298551468322786600/pdf/703490BRI0P109070036B00PUBLIC00NC03.pdf.

19 OECD: Pensions at a Glance Special Edition: Asia/Pacific, 2009, https://www.oecd.org/els/public-pensions/41966940.pdf.

20 Etwa https://www.who.int/ageing/sdgs/en/.

21 Etwa UNDP: Ageing, Older Persons and the 2030 Agenda for Sustainable Development, Juli 2017, https://www.undp.org/content/undp/en/home/librarypage/poverty-reduction/ageing--older-persons-and-the-2030-agenda-for-sustainable-develo.html.

22 http://hdr.undp.org/en/content/human-development-index-hdi.

23 https://www.adb.org/, etwa https://www.adb.org/features/asia-s-growing-elderly-population-adb-s-take.

24 http://www.globalagewatch.org/.

25 Etwa https://www.un.org/en/development/desa/population/publications/pdf/popfacts/PopFacts_2017-1.pdf.

26 https://www.un.org/en/events/pastevents/pdfs/Madrid_plan.pdf.

Südasien 3/2020