Daria Lambrecht, Lydia Schäffer, Dunya Wasella
Komik-Ironie-Satire
Jahrestagung 2021 des Literaturforums Indien e. V.

Das Literaturforum Indien e.V. verfolgt mit seinen regelmäßig veranstalteten Jahrestagungen das Ziel, die Literaturen der südasiatischen Regionalsprachen vorzustellen und bekannt zu machen. Nachdem die Tagung in den vergangenen Jahren in dem atmosphärisch angenehmen Haus Villigst in Schwerte ausgerichtet wurde und im letzten Jahr leider pandemiebedingt ausfallen musste, konnte sie dieses Jahr am 29. Mai 2021 online stattfinden, wenn auch nicht unter den gewohnten Umständen und in reduzierter Form. Die Autorinnen lassen uns mit ihrem Bericht daran teilhaben.

Trotz des neuen Formates begeisterten die Beiträge in gewohnter Qualität. Rund 45 Teilnehmer/-innen trafen an diesem Wochenende zusammen, um sich über das diesjährige Tagungsthema „Komik-Ironie-Satire. Humor und Gesellschaftskritik in den Literaturen Südasiens“ auszutauschen. Abwechslungsreiche Vorträge boten dabei nicht nur einen spannenden Einblick in die sprachliche und formale Vielfalt von Komik, Ironie und Satire in Südasien, sondern luden gleichzeitig auch zum Mitlachen und Mitdenken ein. Neben etablierten Genres wie Romanen, Theaterstücken und Karikaturen standen neuere Formen wie Standup Comedies im Mittelpunkt. Vertretene Sprachen waren Englisch, Hindi, Urdu, Marathi und Bengali. 

 

Besonderer Dank gilt der Evangelischen Akademie Villigst, deren Unterstützung auf organisatorischer und technischer Ebene die Tagung erst möglich machte. 

 

Einblicke in Indien

 

Südasien blickt auf eine lange Tradition von Komik, Ironie und Satire zurück, die ihre Anfänge in der klassischen Sanskritliteratur finden. Während Spott und Humor schon zu früheren Zeiten beispielsweise in Gedichten oder Theaterstücken dazu eingesetzt wurden, gesellschaftliche und politische Missstände anzuprangern, dienen sie auch im heutigen Südasien neben der Unterhaltung dazu, religiöse, gesellschaftliche und politische Übel zu kritisieren.

 

Eine gelungene Einstimmung auf das Thema der Tagung gab Hans Jürgen von Lengerke (Hannover) am Samstagmorgen mit seinem Vortrag „Karikaturen zu Politik und Gesellschaft in Indien“. Nach kurzen einführenden Worten zu wichtigen indischen Karikaturisten wie Shankar (1902-1989), R.K. Laxman (1921-2015), Mario Miranda (1926-2011) oder Shivram D. Phadnis (geboren 1925) und ihren Werken wurden den Teilnehmer(inne)n im Anschluss 75 ausgewählte Karikaturen der jeweiligen Künstler/-innen vorgestellt, erläutert und kontextualisiert. Der Vortrag gab somit nicht nur einen Einblick in den gesellschaftlichen und politischen Diskurs des postkolonialen Indiens, sondern machte auch auf einige veröffentlichte Sammelbände mit Karikaturen aufmerksam. Besonders eindrucksvoll an diesem Beitrag war vor allem die vielfältige Karikaturen-Landschaft Indiens. Dabei wurde schnell deutlich, welch eine immens große Rolle Karikaturen bei der Kritik an gesellschaftlichen und politischen Verhältnissen in Indien spielen. 

 

Neben den eher satirisch ausgerichteten Karikaturen, die ihren Blick auf die Außen- und Innenpolitik richteten und sich kritisch zu Problemen in der Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt äußerten, wurden auch humoristische Zeichnungen gezeigt, die sich auf ironische Weise mit Themen wie der ayurvedischen Medizin oder der indischen Musik auseinandersetzten. Anhand der überzeichneten Darstellung von Akteuren, Eigenarten und Ereignissen, welche oft durch textliche Passagen ergänzt werden, machen Karikaturist(inn)en allerdings nicht nur auf diverse Missstände aufmerksam. Sie geben auch den gewöhnlichen Bürger(inne)n und den sozial und politisch Wehrlosen eine Stimme. Vor allem in Indien, wo die urbane und ländliche Armut, Korruption und Diskriminierung noch immer viele Bevölkerungsgruppen aus dem nationalen Diskurs ausschließen, ist letzteres von großer Bedeutung. Besonders hervorgehoben wurde in dem Zusammenhang die von dem einflussreichen Karikaturisten R.K. Laxman geschaffene und in Indien sehr bekannte Figur des Common man, welche die Hoffnungen und Probleme der Inder/-innen verkörpert.

 

Gegen Ende des Vortrags verwies von Lengerke auf die aktuell äußerst angespannte Lage in Indien, welche sich durch eine voranschreitende Autokratisierung unter dem seit 2014 amtierenden Premierminister Narendra Modi und seiner zunehmenden Unterdrückung oppositioneller Stimmen auszeichnet. Besonders vor diesem Hintergrund sollte die Bedeutung dieses faszinierenden Genres als Medium für politische Meinungsäußerungen sicherlich nicht unterschätzt werden.

 

Traditionen aus Maharashtra

 

Nach dieser vielseitigen Einführung in die moderne indische Karikatur nahm uns Swarali Paranjape (Heidelberg) mit auf eine Reise in die Region des heutigen Bundesstaats Maharashtra im späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Frau Paranjape zeichnete eindrücklich die Entstehungsgeschichte der Marathi-Karikatur nach, deren Tradition bis ins 13. Jahrhundert zurückreicht. Im Zentrum des Vortrags standen die kolonialen Einflüsse auf die Karikatur und ihre Kritik an der Gesellschaft. 

 

Die Verbindung zwischen indischen und kolonialen Traditionen zeigte Frau Paranjape anhand der Zeitschrift Hindu Pañca auf, die erstmals 1870 in Thane erschien. Der Titel spielt auf die englische Satirezeitschrift Punch an, an die auch die Gestaltung der Titelseite erinnert. Zugleich bedeutet Pañca auf Marathi „Gutachter“ oder „Richter“, eine Allegorie, die das Selbstverständnis der Zeitschrift spiegelt. Schon in diesem Titel zeigt sich eine Verschmelzung von kolonialem Einfluss und originär indischer Bedeutung zu einer Doppeldeutigkeit, die gezielt die westlich gebildete Mittelschicht des kolonialen Maharashtra ansprach. Hindu Pañca veröffentlichte Briefe an eine fiktive Regierung und gab dabei den alltäglichen Sorgen und Freuden der Bürger/-innen eine Stimme, ohne direkt the British Raj als Ziel der Kritik zu benennen. Anhand einiger Beispiele zeigte Frau Paranjape auf, wie groß das Spektrum an Themen war, die die Karikaturen kommentierten und mit welcher Schärfe Kritik ausgeübt wurde:

„Dein Kopf wird abfallen,
aber du wirst es genießen“,

warnt der Titel einer der Karikaturen ihren Protagonisten. Der schafft es nicht, seinen Blick von den vielen attraktiven Frauen abzuwenden bis sich die Überschrift schließlich bewahrheitet. Eine weitere Karikatur zeigt einen Herrn der aufstrebenden Mittelschicht, der versucht, sich für eine Zugreise wie ein englischer Gentleman zu kleiden. Leider möchte aber alles nicht so richtig zusammenpassen: Es ist zu warm für den Anzug, die Jacke zu groß, die Hose zu klein. Eine Selbstkritik, die vermutlich viele der Leser/-innen mitten ins Herz traf. Auch die Probleme von Frauen blieben nicht unbeleuchtet: Auf einer Karikatur überlistet eine junge Frau die Familie eines Freiers, eine andere porträtiert die gegensätzlichen modernen und traditionellen Frauenideale, zwischen denen die Frauen des kolonialen Maharashtra eine Balance finden mussten. Frau Paranjape verdeutlichte anhand dieser und anderer Beispiele, wie Karikaturen schon zur Kolonialzeit auf humoristischem Wege denjenigen eine Stimme gaben, denen the British Raj den Mund verbot und in ihrer Bildsprache Gedanken formulierten, die nicht in Worte gefasst werden durften.

 

Von falsch zu wahr

 

Neugierig machende Einblicke gewährte Christina Oesterheld (Heidelberg) während des Vortrages „Tragikomische Abenteuer eines Cyber-Munschis. Mirza Athar Baigs Roman Von Null bis Eins“ in ihre laufende Übersetzung aus dem Urdu (die im Februar 2022 im Draupadi-Verlag erscheinen soll). Sein erster, post-kolonialer Roman Ġulām Bāġ (Der Sklavengarten, 2006) ist in Pakistan längst Kult. In seinem zweiten, einem post-modernen Schelmen- und Bildungsroman ifr se ek tak. Sā’ibar spais ke munśī kī sarguzaśt von 2009 zeichnet der Schriftsteller und Philosoph Baig mittels seiner literarischen Methode des „komischen Realismus“ das Bild des ungleichen Brüderpaares akā’ullāh - genannt akī – und S̤anā’ullāh. Er beleuchtet ebenso das asymmetrische Verhältnis zwischen akī und dem Grundbesitzersohn Faiān Sālār, das zwischen Freundschaft und dialektischem Herr-Knecht-Verhältnis ganz im Hegelschen Sinne oszilliert. akī und S̤anā’ullāh sind Abkömmlinge einer Familie von Angestellten (Munschis - munśīs), die seit Generationen die Buchführung für die Grundbesitzerfamilie macht.

 

Doch die Zeiten ändern sich, und die Finanzdaten der Sālārs sind von staubigen Regalen in den Datenraum der Computer gezogen, deren Festplatten der junge IT-Fachmann akī nun verwaltet. Bei seiner Erkundungsreise durch die datentransparente Cyberwelt gehen ihm immer mehr die Augen auf ob der Netzwerke und Machenschaften dieser einflussreichen Familie. Eine gefährliche Entdeckungsfahrt beginnt durch die Lügen und kriminellen Verwicklungen der Sālār-Sippe, die in der Unterwelt wie neuerdings auch in der Kulturwelt post-moderner Pseudo-Intellektueller zu Hause ist und selbst vor Auftragsmorden nicht zurückschreckt. Mit brillantem, sehr schwer zu übersetzendem Wortwitz, funkelnder Ironie und viel sprachlicher Phantasie in Form origineller Wortkombinationen und eigenwilliger begrifflicher Neuschöpfungen treibt Baig nach dem Motto humour for non-humorous ends seine bitterböse Satire im heiteren Gewand voran. Hat Wissen die Macht, der Willkür der Mächtigen entgegenzutreten? Wird letztlich immer die Wahrheit siegen? Wie sagt der durchtriebene Frauenheld S̤anā’ullāh, als er mit paradoxem Hintersinn sich selbst zum „falschen Propheten“ ausruft: „Wahr ist nur die Existenz Allahs; alles andere ist falsch“.

 

Standup Comedies

 

Der Vortrag von Kasturi Dadhe (Frankfurt) zum Thema „Standup Comedies in Hindi und Marathi“ begann mit theoretischen Erwägungen zur Formulierung sozialer und politischer Satire im Genre der Standup Comedy. Im Zentrum eines Standup Acts steht die authentisch wirkende Komikerin oder der Komiker, die in der Rolle als komische Sprecher/-in, Kommentator/-in und Vermittler/-in Geschichten und Witze erzählt und sich dabei eines reflektierenden, volkstümlichen und vor allem kritischen Humors bedient. Ziel – neben der bloßen Unterhaltung – ist es, der Gesellschaft einen Spiegel vorzuhalten und ihr die Gelegenheit zu geben, eigene Strukturen und Werte zu erkunden, um sie dann gegebenenfalls zu verändern. Themen, die dabei angesprochen werden, sind unter anderem Sexismus, Familie, Gesellschaft, Religion und Politik. Während Standup Comedies vor allem in den Vereinigten Staaten und Großbritannien schon seit langem etabliert sind, stellen sie in Indien eine noch recht neue künstlerische Entwicklung dar. Nichtsdestotrotz sah Frau Dadhe nicht nur in westlichen Einflüssen, sondern auch in indischen Traditionen Vorläufer dieses Genres. Verwiesen wurde hierbei auf Muśāirah, ein poetisches Symposium, welches Dichter(inne)n eine Plattform für die freie Selbstdarstellung bietet.

 

Heute hat sich neben einer englischsprachigen Tradition der Standup Comedy auch eine lokalsprachliche gebildet. Besonders populär ist sie vor allem bei der indischen Jugend. Angeführte Gründe dafür waren die starke Polarisierung des Landes durch die hindu-nationalistische BJP-Regierung und vor allem auch der Einfluss des Internets. Neben einer meinungsfreudiger werdenden jungen Gesellschaft bieten diverse Medien- und Internetportale Künstler(inne)n inzwischen die Möglichkeit, mit einem Publikum jenseits der regionalen und sprachlichen Grenzen in Kontakt zu treten.

 

Zuletzt zeigte Frau Dadhe Ausschnitte des indischen Dokumentarfilms I am offended von Jaideep Varma, sowie Teile von auf Youtube veröffentlichten Solo-Auftritten der Künstler Angad Singh Ranyal und Sarang Sathaye. Diese veranschaulichten sowohl die Herausforderungen als auch die im indischen Gesellschaftskontext vorherrschenden Konventionen, Eigenarten und Einstellungen, mit denen sich indische Comedians konfrontiert sehen und die sie während ihrer Auftritte reflektieren und kritisieren. Im Fokus des Standup Acts standen neben Anspielungen auf die Verhaltensweisen indischer Mütter auch allgemein bekannte Phänomene wie die mangelnde Privatsphäre oder die Lebensplanung. Auch regional spezifische Gegebenheiten wie die städtische Rivalität zwischen Pune und Mumbai kamen hierbei zur Sprache.

 

Verkehrte Welt - klassische Satire heute

 

Mit seinem Vortrag „Satire und Gesellschaftskritik in Bhīam Sāhnīs Theaterstück Muāvze wandte sich Martin Christof-Füchsle (Göttingen) einer klassischen Form der Satire mit nichtsdestotrotz hoch aktuellem Inhalt zu. In der „sehr indischen schwarzen Komödie“ (Pankaj K. Singh) Muāvze1 schildert der bedeutende Hindi-Autor und große Humanist Sāhnī in einer rasanten Farce von zwölf Szenen die allzu routinierte Verwaltung der scheinbar unvermeidlich periodisch auftretenden communal riots in einer Stadt, die alle Vorkehrungen nicht zu deren Verhinderung, sondern zu ihrem möglichst effektiven Management im Voraus trifft. Zugleich versorgt der Waffenhändler eifrig alle Seiten mit Waffen, der Knopffabrikant engagiert den Auftragsmörder Jagga, um die Slumbewohner neben seiner Fabrik in Panik zu versetzen, auf dass die Bodenpreise fallen mögen. Alle Läden machen dicht, außer den Tuchverkäufern und den Holz- und Brennstofflieferanten – denn viele Leichenverbrennungen stehen ins Haus. Die eingespielte Bürokratie gerät allerdings aus dem Takt, als die Reihenfolge von vorsorglich auf Band aufgenommenen Verlautbarungen durcheinander gerät und den verdutzten Bewohnern per Lautsprecher die Höhe der Entschädigungssummen verkündet wird, bevor überhaupt etwas passiert ist. Eine groteske Kettenreaktion tritt ein, an deren Ende die Ärmsten der Armen in ihrer ökonomischen Misere versuchen, die Regeln dieses perversen Bereicherungsspiels auf ihre Kosten dieses eine Mal für sich zu nutzen: sie treffen eine Vorauswahl potentieller Opfer aus der eigenen Gruppe, um die es „nicht so schade wäre“: Der lahme Rikshafahrer Dīnu avanciert zum begehrtesten Kandidaten auf dem Heiratsmarkt – glücklich die Braut, die als Hinterbliebene Entschädigung erhalten wird! Jagga, der Profikiller, macht unter Polizeischutz und mit ministerialem Redenschreiber Karriere als ehrenwerter Politiker Caudhrī Jagannāth. Gerade der schwärzeste Humor ist für Sāhnī das adäquate Mittel, den Zynismus der Gesellschaft aufzudecken. Am Ende scheint der Fakir Suthra Recht zu behalten - der Shakespeare‘sche Narr des Stücks, der ungestraft die Wahrheit ausspricht:

„Die Macht der Ehrlosigkeit ist die stärkste von allen. Wo es Korruption gibt, da gibt es Entwicklung, da gibt es Fortschritt […] Nun, Freunde! Habe ich etwa gelogen? Habe ich etwa die Unwahrheit gesagt? Aber nein, Bruder, nein, Bruder, nein!“

Sāhnīs humanistische Hoffnung aber ist: „Doch, doch, doch!“

 

Zum Abschluss der Veranstaltung nahm uns Tobias Tegethoff (Göttingen) mit auf eine regelrechte Odyssee durch Maiśakar Mukhopādhyās 1962 veröffentlichten, bengalischen Hotelroman Caura. Von einer Einführung der lokalen und autobiographischen Bezüge des Romans leitete er in den facettenreichen Inhalt über, dekonstruierte die unterschiedlichen Mittel zur Erzeugung von Humor und interpretierte die durch den Roman geäußerte Kritik an der Oberschicht. Der Erzähler und Protagonist Śakar beginnt in dem luxuriösen Hotel Śājāhān in Kolkata zu arbeiten. Dort findet er sich in einem ihm bis dato unbekannten kosmopolitischen Umfeld wieder und beschreibt die Schicksale seiner Kolleg(inn)en. Dabei bietet er einen Abriss der heterogenen Gesellschaft Bengalens und geht auch auf die Schicksale von Menschen ein, die normalerweise in Repräsentationen der indischen Gesellschaft vergessen werden. Tegethoff zeichnete diese Schicksale in seinem Vortrag nach, indem er einige Charaktere vorstellte. Im Austausch mit der im Hotel verkehrenden Oberschicht entfremden sich die Hotelangestellten immer weiter von ihrer eigenen Kultur. Der Roman verspottet die Oberschicht, stellt sie als nutzlos bis verschwenderisch dar und spricht ihr jede Fähigkeit zur Reflektion gesellschaftlicher Verhältnisse ab. Tegethoff machte diese Kritik greifbar, als er den sarkastischen Kommentar eines Hotelangestellten über die Zusammenkünfte der Oberschicht zitierte:

„Sie suchten nicht nach Orten, um selbst Spaß zu haben, aber sie legten ihre persönlichen Probleme beiseite, opferten ihre eigenen Vergnügungen, nur um einen Abend in einem Hotel im Dienst an der Gesellschaft, der Nation und der Welt zu verbringen.“

 

Der Spott gipfelt in einer Anlehnung an die Realitätsferne Marie Antoinettes, als ein Ehrengast des beschriebenen Banketts dazu aufruft, über die Staatsgrenzen Indiens hinauszublicken und sich endlich dem Kampf gegen den Welthunger zu widmen. Der könne überwunden werden, indem die indische Bevölkerung einfach etwas weniger Reis esse. Schließlich sei es ein Mangel an Reis, der den weltweiten Hunger auslöse. So bleiben Ironie, Spott, Sarkasmus und groteske Übertreibung die Sprache des Romans Cauragī. Ein bitterer Trost für all diejenigen, die die Schieflage zwischen den verschiedenen Gesellschaftsschichten nach der indischen Unabhängigkeit kennen. 

 

Mit Tegethoffs Analyse fand die Tagung einen würdigen Abschluss und regte dazu an, auch weiterhin kritisch auf die Gesellschaft zu blicken. Schlechte Zeiten sind gute Zeiten für den Humor. Angst macht stumm, doch wer lacht, kann nicht still bleiben. Der Witz macht Mut zu Kritik und Veränderung. Trotz der erzwungenen Kürze und Umstände der Tagung gelang es den Vortragenden, ein sprechendes Bild zu vermitteln von den Problemen und dem Lachen Südasiens.

 

 

 

Zu den Autorinnen

 Daria Lambrecht schloss 2020 in Köln ihren Bachelor in den Fächern English Studies / Asien-
studien ab. Derzeit studiert sie im Master Asienwissenschaften mit Schwerpunkt Südasien an der Rheinischen-Friedrich-Wilhelms Universität in Bonn.

 

Dunya Wasella macht derzeit ihren Bachelor in den beiden Studiengängen Politikwissenschaft und Südasienstudien an der Ruprechts-Karl Universität Heidelberg.

 

Lydia Schäffer schloss 2019 an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen im Hauptfach Philosophie mit dem Bachelor ab. Im Sommersemester 2021 beendet sie ihr Nebenfach Indologie / South Asian Studies mit dem B.A.

 

Endnote

1 Entschädigung, Uraufführung 1992, publiziert 1993, aus dem Hindi übersetzt von Martin Christof-Füchsle.

Südasien 2/2021