Heinz Werner Wessler
Rezension: Gerhard Klas, Die Mikrofinanz-Industrie: Die große Illusion oder das Geschäft mit der Armut
Verlag Assoziation A, Berlin 2011, 320 Seiten, 19,80 Euro

Die Grameen Bank und ihre Gründergestalt Huhammad Yunus stehen als Chiffre für das von den verschiedensten Akteuren hochgepriesene Mikrokreditwesen in Bangladesch und in der ganzen armen Welt. Sogar den Friedensnobelpreis hat Yunus 2006 für seine sagenumwobene Armenbank erhalten. Die Vergabe von Mikrokrediten schien der Königsweg zur Ermächtigung der Ärmsten unter den Armen zu sein: Kleinkredite sollten aus der Abhängigkeit der Ärmsten von privaten Geldverleihern mit Wucherzinsen heraushelfen und zu ökonomischer Selbstbefähigung verhelfen. In den letzten Jahren hat der Enthusiasmus für das Mikrofinanzwesen jedoch spürbar nachgelassen. Längst ist klar, dass viele Kleinkreditnehmer nicht aus der Schuldenfalle herauskommen, sondern mit neuen Krediten Rückzahlungen querfinanzieren müssen. Als „Muhammad Yunus Superstar“ (S. 205) von Sheikh Hasina in Bangladesch seines Amtes enthoben wurde, blieben die Stürme der Entrüstung aus. Die Mikrofinanzorganisationen (MFI), so die Ministerpräsidentin, saugten den Armen das Blut aus statt ihnen zum Fortschritt zu verhelfen.

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Südasien 4/2011