Geetanjali Shree
Unsere Stadt in jenem Jahr
Romanauszug

In unserer Stadt hatten die Hindus ihren Hang zur Friedfertigkeit aufgegeben. Sie erklärten zwar, dass man, wenn einem jemand auf die eine Wange schlägt, auch die andere hinhalten müsse, doch woher sollten sie jetzt eine dritte nehmen? „Wir haben hier das Sagen!“, schrien sie. Also stiegen sie auf die Moscheen, schwenkten die Fahne ihrer Göttin, die sie an der Spitze eines Dreizacks aufgehängt hatten, und brüllten: „Diesen Moslems werden wir heimzahlen, was sie uns angetan haben! Wir werden Verbrechen mit Verbrechen begleichen!“ Die frommen Asketen, allen voran die Sadhus, erwachten aus ihrer meditativen Versenkung und stachelten nun, anstatt die Götter zu verehren, ihre Glaubensbrüder auf: „Unsere Kinder wurden ermordet, unsere Töchter entführt. Fehlt unseren Söhnen denn jegliche Mannhaftigkeit? Ihr Nachfahren Shivajis, ihr Söhne Bhagat Singhs und Rana Prataps, ihr Abkömmlinge Arjunas und Bhimas, erhebt euch! Legt die Viertel dieser Schurken in Schutt und Asche! Genug mit eurem Anstand! Selbst die Götter sind über die Schreckensherrschaft dieser Dämonen erzürnt!“

[...]

Südasien 1/2013