Thomas K. Gugler
Indian, Gay & Proud
Südasiatische Schwulenbewegungen im Kampf um ihre Rechte

Hetero- und Homosexualität als gesellschaftlich abgegrenzte Sexualformen sind ein Phänomen moderner, westlicher Kulturen. Individualsexualitäten sind in anderen Gesellschaften nicht zu einer sozialen beziehungsweise gesellschaftlichen Frage geworden wie bei uns. Auch kommt der sexuellen Orientierung bei mehrheitlich arrangierten Ehen ein anderer Stellenwert zu als bei Liebesheiraten. Wenn Ehen gewohnheitsmäßig nach Gesichtspunkten der Verwandtschafts- oder Geschäftsbeziehungen arrangiert werden, ist die Frage nach individuellen sexuellen Vorlieben nicht relevant. Sexuelle Selbstverwirklichungswünsche werden erst konfliktträchtig, wenn Sexualität auf die Ehe beschränkt wird und Ehen selbstbestimmt und idealtypischerweise einmalig geschlossen werden. Thomas K. Gugler erläutert, warum die moralische Grenze in Süd­asien nicht so sehr zwischen homo und hetero sondern vielmehr zwischen privat und öffentlich verläuft; er liefert detailreiche Beispiele vor allem aus Pakistan und Indien.

Zum Autor
Dr. Thomas K. Gugler ist Islam- und Südasienwissenschaftler und arbeitet am Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Universität Münster.
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Südasien 2/2013