Hans-Joachim Kiderlen
Stadtentwicklung in Deutschland und in Indien
Vortrag vor der Deutsch-Indischen Gesellschaft zu Freiburg anlässlich ihres 50-jährigen Jubiläums am 26. Oktober 2013 (Auszug)

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Das Element, das seit dem Hochmittelalter und der Renaissance die deutschen und europäischen Städte immer mehr bestimmte und voranbrachte, nämlich das nach Selbstständigkeit strebende Bürgertum, fehlte in den indischen Städten des 16. bis 18. Jahrhunderts allerdings weitgehend. Handwerker und Kaufleute blieben zu stark auf die überkommene, die Gesellschaft spaltende Kastenordnung bezogen, um gegenüber dem Herrscher einen Anspruch auf städtische Selbstverwaltung zu erheben und durchzusetzen.

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Die heutige indische Stadtplanung steht deutlich in der Tradition umfangreicher britischer Stadtplanungen, angefangen mit Kalkutta und Luytens großzügiger Planung des neuen Delhi zu Anfang des letzten Jahrhunderts. Dafür steht in Delhi bis heute auch die School of Architecture and Urban Planning.

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Zum Autor
Der frühere Magdeburger Konsistorialpräsident und heutige Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Georgien, Hans-Joachim Kiderlen, ist Theologe und Jurist. Die längste Zeit seiner beruflichen Laufbahn war er im Auswärtigen Dienst tätig. Zu den Stationen des Diplomaten gehörten Togo, Pakistan, Indien und Usbekistan. Von 1990 bis 1994 leitete er das Brüsseler Verbindungsbüro der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Südasien 1/2014