Reinhold Schein
Literarische Indienbilder im 19. Jahrhundert
Teil 2

Nachdem Indien mit seinen Mythen, Göttern und hochfliegenden philosophischen Konzepten gegen Ende des 18. Jahrhunderts rasch einen prominenten Platz in der Wahrnehmung deutschsprachiger Literaten errang, wirkt die idealistische Sicht der klassisch-romantischen Schriftsteller auf Indien durch das ganze 19. Jahrhundert weiter. Angeregt von der noch jungen Indologie als einer durchaus populären Wissenschaft bleiben die religiös-philosophisch geprägten Sanskritschriften des alten Indien im Zentrum des Interesses, wobei das ethische Gebot der Gewaltlosigkeit eine gewisse Faszination ausübt. Das reale Indien unter britischer Kolonialherrschaft spielt dagegen eine untergeordnete Rolle. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts treten Person und Lehre des Gautama Buddha in den Vordergrund. Stilistisch orientiert man sich meist an den Klassikern, ohne aber das sprachlich-gedankliche Niveau des großen Vorbilds Goethe zu erreichen.

Zum Autor
Reinhold Schein arbeitete in den 1980er und 90er Jahren als DAAD-Lektor für deutsche Sprache und Literatur an der Poona University und der Banaras Hindu University. Die deutsch-indischen Literaturbeziehungen wurden eins seiner Studiengebiete. Nach seiner Rückkehr aus Indien betätigte er sich auch als Übersetzer von Literatur aus und über Indien. Seine Homepage: www.indienbild.de.

Südasien 2/2014