Heike Liebau und Franziska Roy
Achillesferse und Kanonenfutter
Indische Weltkriegsgefangene in Deutschland im I. Weltkrieg (1914-1918)

Im Sommer 2007 besuchte eine ungewöhnliche Delegation den fast vergessenen Kriegsfriedhof Zehrensdorf in der Nähe des Zossener Ortsteils Wünsdorf, etwa 60 Kilometer südlich von Berlin gelegen. Neben Vertretern der brandenburgischen Kleinstadt Zossen bestand die Delegation aus Repräsentanten der britischen Kriegsgräberfürsorge (Commonwealth War Graves Commission) und der indischen Botschaft in Berlin. Auf dem Friedhof befinden sich die sterblichen Überreste mehrerer hundert Kriegsgefangener, darunter zahlreiche Inder. Die Autorinnen untersuchen detailreich, wie es ihnen als Gefangene im Ersten Weltkrieg in Deutschland ergangen ist.1

Buchtitel Roy/Liebau/Ahuja (Hg.)

Die auf dem Zehrensdorfer Friedhof begrabenen Toten hatten, als Soldaten afrikanischer, tatarischer, georgischer und südasiatischer Herkunft, in der französischen, russischen oder britischen Armee gedient. Die meisten von ihnen wurden an der Westfront in Frankreich gefangen genommen und in den Zwillingslagern Zossen (Weinberglager) und Wünsdorf (Halbmondlager) interniert. Unter den Kriegsgefangenen, die auf dem Zehrensdorfer Friedhof begraben sind, befinden sich 206 Südasiaten, die meisten von ihnen Sepoys (indische Soldaten in der britischen Armee), aber auch einige Offiziere und so genannte Laskaren (indische Seeleute). Weiße Grabsteine, wie auf anderen Kriegsfriedhöfen auch hier in ordentlichen Reihen platziert, tragen Inschriften in verschiedenen indischen Sprachen mit den Namen, der militärischen Einheit und dem Todesdatum des Gefangenen.


Mitte der 1990er Jahre begann der Historiker und Arabist Gerhard Höpp am Zentrum Moderner Orient (ZMO) in Berlin die Geschichte dieser Kriegsgefangenen zu erforschen. Im Rahmen eines Projektes zu Muslimen in Brandenburg konzentrierte er sich vor allem auf die nordafrikanischen Kriegsgefangenen und gab damit einen nicht unerheblichen Anstoß für weitere Forschungen zu anderen Gefangenengruppen.2


Nicht zufällig entstand dieser Text deshalb ebenfalls am Zentrum Moderner Orient, nämlich im Rahmen eines umfassenderen, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft zwischen 2006 und 2008 geförderten Projektes unter dem Titel „Weltkriege und Weltsichten. Arabische und indische Kriegserfahrungen im Spannungsfeld von Eigensinn und Propaganda“.


Obgleich in den letzten Jahren ein vermehrtes akademisches Interesse am Thema Kriegsgefangenschaft festzustellen ist, bleiben Forschungen zu Kriegsgefangenen in Deutschland während des Ersten Weltkrieges schwierig, insbesondere wenn es um nicht-europäische Gefangene geht. Dies hat zunächst mit den verschiedenen Sprachen zu tun, deren Kenntnis die Voraussetzung für eine tiefgründige Forschung ist – gerade auch in Bezug auf Südasien (das heißt vor allem Indien, Nepal, Bangladesch und Pakistan), das eine enorme Sprachvielfalt aufweist. Hinzu kommt, dass weder deutsche noch britische Stellen einen genauen Überblick über die Anzahl und den Standort der südasiatischen Gefangenen hatten. Einige von ihnen wurden irreführend ethnisch kategorisiert und sind somit in den Quellen nicht immer gleich zu finden. Die größte Herausforderung jedoch liegt in dem Umstand, dass die südasiatischen Gefangenen selbst, im Gegensatz zu anderen (europäischen) Kriegsteilnehmern oder Zivilgefangenen, kaum Biographien und nur wenig Schriftliches hinterließen. Die Quellen, die wir aus ihrer eigenen Hand haben, sind zumeist offizielle Gesuche, Interviews oder sonstige Aussagen, die von externen Deutungsmustern und -zwängen beeinflusst sind. Eine gewisse Ausnahme bildet eine eklektische Auswahl von Feldpostbriefen, die dank der stringenten Zensur erhalten geblieben sind.3 All diese Quellen spiegeln jedoch den mehr oder weniger bewussten Umgang der Gefangenen mit den an sie herangetragenen Erwartungshaltungen und ihrer eigenen Situation wider und sind somit keineswegs ungefilterte Aussagen.


Erschwerend auf die Erforschung der Gefangenschaft außereuropäischer Kriegsteilnehmer in Deutschland wirkt sich auch die komplizierte administrative Struktur Deutschlands unter Kriegsbedingungen aus, so dass die relevanten Quellen weit verstreut sind. Das „offizielle“ Deutschland hatte nach dem Kriegseintritt die zivile Administration durch eine militärische ersetzt. Dem Militär oblag nun die gesamte vollziehende Gewalt in den jeweiligen Bezirken, was seine ohnehin schon bestehende Vormachtstellung weiter ausbaute. Die Befehlshaber der Armeekorpsbezirke, die lediglich dem Kaiser selbst unterstanden, erhielten dabei weitreichende Entscheidungsbefugnisse und konnten nahezu autonom „regieren“. Außerdem erfuhren bestimmte Gefangenengruppen und Ethnien eine Sonderbehandlung in den Lagern, da oft eine Vielzahl militärischer und politischer Interessen auf diese Gruppen gerichtet waren.4


All dies macht generalisierende Aussagen zur Situation von Kriegsgefangenen fast unmöglich und unterstreicht die Notwendigkeit, eine größere Zahl von Fallstudien zu spezifischen Lagern bzw. Gruppen von Gefangenen zu erarbeiten.


Im Weltkriegsdeutschland wurde schon administrativ zwischen verschiedenen Kategorien von Gefangenenlagern unterschieden. Neben solchen für so genannte combatant prisoners, also aktive Kriegsteilnehmer, gab es gesonderte Lager für Offiziere, die laut der Haager Landkriegsordnung (HLKO) einen Anspruch auf Behandlung gemäß ihres militärischen Standes hatten. Daneben gab es auch Camps für Zivilisten, die während des I. Weltkrieges erstmals in großem Stil interniert wurden, denn auch die „Heimatfront“ wurde in dieser Zeit zu einer anderen Art des „Schlachtfeldes“. Im Lager in Ruhleben in der Nähe Berlins waren zum Beispiel vornehmlich zivile englische Kriegsgefangene interniert, während im Lager Havelberg zu großer Zahl „farbige“ Seeleute untergebracht waren. Eine vierte Kategorie von Lagern waren „Straflager“ wie etwa Ströhen oder Holzminden, in denen ungehorsame, „arbeitsunwillige“ oder sonst „widerspenstige“ Gefangene untergebracht waren.


Eine besondere Stellung unter den Kriegsgefangenlagern nahmen die „Propagandalager“ ein. Im Ersten Weltkrieg als erstem „totalen“ Krieg wurde Propaganda zu einem festen Bestandteil ideologischer Kriegführung. Das Deutsche Reich war besonders darum bemüht, ethnische Minderheiten und die Bevölkerungen in den Kolonialgebieten Englands, Frankreichs und Russlands aufzuwiegeln, um die Entente so im eigenen Hinterland zu schwächen und militärische und politische Kapazitäten der kriegführenden Parteien in internen Auseinandersetzungen zu binden. Doch wurden auch hierbei unterschiedliche Interessen verfolgt: Das Auswärtige Amt hatte tendenziell längerfristige wirtschaftliche Kontakte im Blick und förderte deshalb Maßnahmen zur Beeinflussung der Gefangenen „in deutschfreundlichem Sinne”. Das Kriegsministerium visierte hingegen eher kurzfristige, militärische Ziele an. Dazu gehörten zum Beispiel der Einsatz von „übergelaufenen“ Gefangenen im Kriegsgeschehen oder die Propaganda zur Beförderung von revolutionären Erhebungen in den von England, Frankreich und Russland abhängigen Gebieten.


In Rahmen solcher Bemühen ist auch die deutsch-osmanische Jihad-Propaganda zu betrachten. Der Sultan des Osmanischen Reiches, Mehmed Reschad, hatte in seiner Eigenschaft als Kalif im November 1914 eine fatwa erlassen, in der er die Muslime der Welt zum Jihad, zum „heiligen Krieg“ gegen die Mächte der Entente aufrief. Dieser Aufruf richtete sich auch an die Muslime in den Territorien der Entente-Mächte. Als Bündnispartner des Osmanischen Reiches schloss sich Deutschland diesem Aufruf an, zumal dieser die bereits ausgearbeitete deutsche Propaganda-Strategie zur „Revolutionierung der islamischen Gebiete“ der Kriegsgegner direkt stärkte.


Diese Strategie, maßgeblich begründet und vertreten durch den Politiker und Orientalisten Max von Oppenheim, getragen vom Auswärtigen Amt und der Politischen Abteilung des Stellvertretenden Generalstabes, fand Eingang in die deutsche Auslandspropaganda und wurde so auch in Bezug auf muslimische Kriegsgefangene umgesetzt. Sie sollten davon überzeugt werden, im Auftrag der deutschen Seite ins Osmanische Reich zu gehen und dort innerhalb der Armee des Sultans gegen die Einheiten der Entente zu kämpfen. Das 1914 errichtete „Halbmondlager“ in Wünsdorf wurde zum zentralen Propagandalager für muslimische Gefangene.


Indische Kriegsgefangene in deutschen Propagandalagern
Die Untertanen des Britischen Imperiums in Südasien spielten eine Doppelrolle für deutsche Propagandabestrebungen: Zum einen sollte das „perfide Albion“ (England) als einer der Hauptkriegsgegner und -konkurrenten Deutschlands geschwächt werden, indem Unruhen in der „Achillesverse“ des britischen Kolonialreiches, Indien, befördert wurden. Zum anderen es gab eine relevante Anzahl von Muslimen unter der indischen Bevölkerung, die, so hoffte man, der Jihad-Idee gegenüber aufgeschlossen sein würden. Vor diesem Hintergrund überraschen die konzentrierte Unterbringung der Inder im Halbmondlager und die weitreichende Propaganda unter ihnen nicht. Im Halbmondlager fanden sich bis Mitte 1917 ausschließlich die Sepoys, vermischt mit anderen „farbigen“ Kolonialtruppen, wieder. Die südasiatischen Soldaten wurden im Frühjahr 1917 nach Rumänien verlegt. Danach wurden auch indische Zivilisten in Wünsdorf interniert.


Die Sepoys, die im großen Krieg eingesetzt wurden, stammten zu mehr als der Hälfte aus dem Punjab, einer Region in Indien, die bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zum „Schwertarm“ Britisch-Indiens avancierte, weil dort – laut der gängigen britischen Stereotype – die martial races (kriegerische Rassen) besonders stark vertreten waren.5 Die „martial-race“-Theorie besagte, dass im Gegensatz zu einem Großteil der indischen Bevölkerung, die gerne als verweichlicht, wankelmütig und hinterlistig dargestellt wurde, bestimmte quasi-ethnische Gruppen Charakteristika wie Treue, Mut, Ehrgefühl, körperliche Stärke in besonderem Maße aufwiesen – angebliche Kollektiveigenschaften, die sie für den soldatischen Dienst prädestinierten. Diese Theorie, die ganz im Einklang mit den biologistischen Erklärungsmustern der Zeit stand, ist auch im Zusammenhang mit politischen Umständen und Erwägungen zu betrachten. So galten zum Beispiel die im Punjab beheimateten Jats, eine Kaste, die vor allem in der Landwirtschaft tätig war, aber auch lange Traditionen im Söldnertum aufwies, als politisch unbedenklich, weil intellektuell eher unbedarft.6 Die britische Kolonialverwaltung unterhielt im Punjab als dem Hauptrekrutierungsgebiet der Armee besonders paternalistische Administrationsstrukturen, die auf einem engen Zusammenspiel von lokalen Autoritäten und britischen Stellen beruhten. Gleichzeitig wurde in außergewöhnlichem Maße in Verkehrsinfrastruktur und Bewässerungsanlagen investiert, um die Gegend zu befrieden.7


Im Gegensatz zu den bis Ende des I. Weltkrieges als loyal gepriesenen Bauern des Punjab wurden Bevölkerungsgruppen mit Misstrauen beäugt, die für anti-koloniale oder nationalistische Agitationen bekannt waren, wie etwa die Bengalen oder Vertreter einer politisch aktiven indischen Mittelklasse überhaupt. Die Präferenz für Truppen aus dem Punjab oder Nepal begann mit der Aufstandsbewegung von 1857, die große Teile des Subkontinents erfasst hatte und an der nicht zuletzt Regimenter aus dem Osten Indiens beteiligt gewesen waren. Diese Ereignisse hatten die britische Verwaltung in Indien in ernsthafte Bedrängnis gebracht und eine komplette Neuordnung der Kolonialherrschaft in Indien sowie nachhaltige Änderungen im Militärwesen nach sich gezogen. Während die politisch am wenigsten „unruhigen“ Gegenden und Schichten des Subkontinents bevorzugt rekrutiert wurden, sahen sich genau jene urbanen, intellektuellen Mittelschichten, die anfänglich den Krieg mit besonderer Begeisterung aufnahmen und freizügig unterstützten, selbst großenteils vom Kriegsdienst ausgeschlossen.8 Diese Schichten erhofften sich als Gegenleistung für ihre finanzielle und politische Unterstützung Englands im Krieg politische Reformen von der britischen Kolonialverwaltung, die den Indern größere Mitbestimmung und schlussendlich politische Selbstverwaltung einräumen sollten – eine Forderung, die von indischen Nationalisten mit immer größerem Nachdruck vorgebracht wurde. Die Reformen, die schließlich in Indien nach dem Krieg eingeführt wurden und als „Montagu-Chelmsford-Reformen“ bekannt sind, fielen jedoch weit hinter die Erwartungen und Hoffnungen der Nationalisten zurück. Dies ist wohl einer der Gründe, weshalb in der historischen Forschung in Indien selbst der Erste Weltkrieg lange eher stiefmütterlich behandelt und in seiner Bedeutung stets von der später radikaler auftretenden Nationalbewegung in den Schatten gestellt wurde.


Die vorwiegend im Punjab und in Zusammenarbeit mit lokalen, traditionellen Autoritäten und Strukturen rekrutierten Sepoys selbst hatten mit der urbanen Mittelschicht bis dahin jedoch eher geringen Austausch und unterschieden sich stark in ihrer Lebensweise. Ihre Stimme war dementsprechend in den zeitgenössischen politischen Auseinandersetzungen, in den Debatten um den Krieg sowie in der zeitgenössischen Literatur kaum hörbar. Im Kontext des Krieges waren sie in den Augen der Regierung „Menschenmaterial“, das als Kanonenfutter eingesetzt werden konnte, während sie in der Argumentation der Nationalisten als gesichtslose, abstrakte Beispiele indischen Heldentums dienten und so den Anspruch der Inder auf Selbstbestimmung untermauerten.


Erst in jüngerer Zeit und mit einem verstärkten Interesse an „Geschichte von unten“, an so genannten subaltern studies und an Alltagsgeschichte richtet sich das Interesse der historischen Forschung vermehrt auf ihre Eigendarstellungen und Sinngebungsprozesse, ihre Erfahrungen und Schicksale im Krieg und (immer noch sehr vereinzelt) nach dem Krieg.9 Die, wie erwähnt, geringe Anzahl schriftlicher Quellen, die von den Sepoys selbst stammen, erschwert die Rekonstruktion ihrer Lebenswirklichkeiten erheblich. Bis heute werden südasiatische Soldaten in der Sekundärliteratur grosso modo als politisch naive Analphabeten dargestellt, deren Verhalten weitgehend von zwei ethischen Impulsen gesteuert worden sei: ihrem Ehrgefühl (izzat) und der Loyalität gegenüber dem sirkar, der Regierung. Die Wirklichkeit ist freilich komplizierter. Zu erfassen, was izzat für den Einzelnen oder die Gruppe bedeutete, erfordert eine genauere Analyse der zur Verfügung stehenden Quellen. Zudem ist zu berücksichtigen, dass die Soldaten mit ihren Erfahrungen in Europa neue Vergleichshorizonte gewannen, die unter anderem auch Kritik an ihrem Heimatland (oder an Europa) ermöglichten und beförderten.10


Wer weiterlesen will:
Im Mittelpunkt der einzelnen Beiträge des Buches stehen Begegnungen und Erfahrungen von indischen Kriegsteilnehmern. Etwa 2000 von ihnen, meistens Seeleute und Soldaten aus Dörfern in Bengalen, Nepal und dem Punjab, kamen in deutsche Kriegsgefangenenlager. Wie andere „exotische“, vor allem muslimische, Gefangene wurden auch die Südasiaten zur Zielscheibe der deutschen Orientstrategie, welche auf die Anstiftung von Revolten in den Kolonien der Entente abzielte. Sowohl deutsche Propagandisten als auch indische Revolutionäre versuchten die Gefangenen im antikolonialen Sinn zu indoktrinieren, während Wissenschaftler sie als willkommene Studienobjekte in einem „Völkerzirkus“ vor der eigenen Haustür betrachteten. In „Sonderlagern“ trafen die zeitgenössischen Gegensätze aufeinander: indische Nationalisten und deutsche Offiziere; militärischer Opportunismus und langfristige außenpolitische Ziele; unverhohlener Rassismus und Faszination gegenüber den „edlen Wilden“.


Endnoten
1 Gekürzte Fassung der Einleitung zu: Franziska Roy, Heike Liebau, Ravi Ahuja (Hg.), Soldat Ram Singh und der Kaiser – Indische Kriegsgefangene in deutschen Propagandalagern 1914 – 1918, Draupadi Verlag, Heidelberg 2014. Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Verlags.
2 Höpp, Gerhard, 1997, Muslime in der Mark. Als Kriegsgefangene und Internierte in Wünsdorf und Zossen, 1914-1924 (= Zentrum Moderner Orient, Studien Nr. 6), Das Arabische Buch, Berlin; und idem, 1996, „Die Privilegien der Verlierer. Über Status und Schicksal muslimischer Kriegsgefangener und Deserteure in Deutschland während des ersten Weltkrieges und der Zwischenkriegszeit”, in: idem (Hg.), Fremde Erfahrungen. Asiaten und Afrikaner in Deutschland, Österreich und in der Schweiz bis 1945, Das Arabische Buch, Berlin (= ZMO Studien 4), S. 185-210. Siehe auch Kahleyss, Margot, 1998, Muslime in Brandenburg – Kriegsgefangene im 1. Weltkrieg. Ansichten und Absichten, Staatliche Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Berlin.
3 Siehe Van Koski, Susan, 1995, „Letters Home 1915-16: Punjabi Soldiers reflect on war and life in Europe and their meanings for home and self”, International Journal of Punjab Studies, 2 (1), S. 43-63. Omissi, David, 1999, Indian Voices of the Great War. Soldiers’ Letters, 1914-1918, Macmillan, Houndsmill et al. Markovits, Claude, 2010, „Indian Soldiers’ Experiences in France during World War I: Seeing Europe from the Rear of the Front”, in Heike Liebau et al .(Hg.), 2010, The World in World Wars, S. 29-54.
4 Oksana Nagornaja nennt in ihrer Studie zu den russischen Kriegsgefangenen in Deutschland folgende Kategorien von Gefangenenlagern: Durchgangslager, Stammlager, Propagandalager, Straflager und Arbeitslager (Landwirtschaft, Industrie und Frontkommandos). Nagornaja, Oksana, 2012, Drugoj voennyj opyt – rossijskie voennoplennye Pervoj mirovoj vojny v Germanii (1914-1922), Novyj Chronograf, Moskau, S. 101. Während sich die Bezeichnungen Durchgangs- und Stammlager eher auf die Form und Dauer der Unterbringung bezieht, gehen die Bezeichnungen Propagandalager, Straflager und Arbeitslager auf die Funktionen ein. Die von uns verwendete Einteilung soll vor allem die Kriterien und politischen Implikationen der Segregationsstrategien deutlich machen.
5 Siehe hierzu die Studie von Tai Yong, Tan, 2005, The Garrison State, The Military, Government and Society in Colonial Punjab, 1849-1947 (Sage Series in Modern Indian History, VIII), Sage, Neu Delhi et al. Der Anteil der Soldaten aus dem Punjab fiel zwischen dem späten 19. Jahrhundert und 1939 niemals unter 60 Prozent der Gesamtzahl von Indern in der britisch-indischen Armee. Siehe ibid., S. 17-18.
6 Siehe Philip Mason, 1975, ein ehemaliger hochrangiger Kolonialbürokrat mit seinem Buch A Matter of Honour, Jonathan Cape, London. Für eine kritische Analyse der „naturalisierten“ Loyalität der Punjabi Sepoys, siehe Greenhut, Jeffrey, 1984, „Sahib and Sepoy: An Inquiry into the Relationship between the British Officers and Native Soldiers of the British Indian Army”, Military Affairs, 48 (1), s.S. 15-18.
7 Siehe Tan, 2005.
8 Zur Kriegsbegeisterung der Mittelschicht, siehe zum Beispiel die zeitgenössische Publikation von Natesan, Ganapati A., (Hg.), [1915], All About the War. The Indian Review War Book, G.A. Natesan & Co., Madras.
9 Zum 1. Weltkrieg aus dieser Perspektive, siehe zum Beispiel neuere Sammelbände wie Das, Santanu (Hg.), 2011, Race, Empire and First World War Writing, Cambridge University Press, Cambridge. Kitchen, James E. mit Alisa Miller und Laura Rowe (Hg.), 2011, Other combatants, other fronts: competing histories of the First World War, Cambridge Scholars, Newcastle upon Tyne; Liebau, Heike mit Katrin Bromber, Katharina Lange, Dyala Hamzah und Ravi Ahuja (Hg.), 2010, The World in World Wars. Experiences, Perceptions and Perspectives from Africa and Asia, Brill, Leiden/Boston.
10 Ahuja, Ravi, „The corrosiveness of comparison. Reverberations of Indian Wartime Experiences in German Prison Camps (1915-1919)“, in: Liebau et al. (Hg.), 2010, The World in World Wars, S. 131-166.

Zu den Autorinnen
Heike Liebau ist Südasienwissenschaftlerin am Zentrum Moderner Orient in Berlin. Zu ihren Forschungsinteressen gehören: Geschichte Südasiens, 18. - 20. Jahrhundert; Biographieforschung und transnationale Geschichte.

Franziska Roy arbeitet an ihrem Postdoc am Zentrum Moderner Orient in Berlin. Schwerpunktmäßig beschäftigt sie sich mit Sozialpolitik, Bürger- und Jugendbewegungen sowie transnationalen Netzwerken im postkolonialen und kolonialen Indien.

Südasien 2/2014