Chaminda Weerawardhana und Rapti Siriwardane
„Reis-Mafia“ in Colombo
Wahlkampf um das Präsidentenamt

Vor dem Hintergrund der Präsidentschaftswahlen vom Januar 2015 beschäftigen sich die Autoren mit der Verteilungsgerechtigkeit und damit, wie die überkommene elitäre Politik und die Alltagskultur beim Zugang zum Grundnahrungsmittel Reis verzahnt sind. Sie untersuchen die Massenmedien, die Wahlreden und die politische Propaganda und fragen, wieso das Thema Reis während des hitzigen Präsidentschaftswahlkampfes anfänglich politisiert wurde und warum es aus dem Blick der Öffentlichkeit verschwand, als der Wahlkampf sich dem Ende zuneigte. Insbesondere analysieren sie, wie der siegreiche Präsident Maithripala Sirisena auf historische Legenden und ein symbolträchtiges Bild des Reisbauern in der Region Rajarata zurückgreift, ausgerechnet heute, wo eine ganz andere Realität herrscht: Die Reismühlen sind in den Händen weniger Oligarchien konzentriert, zu denen auch nahe Familienmitglieder des Präsidenten gehören.

Zu den Autoren
Dr. Chaminda Weerawardhana (www.chamindaweerawardhana.com) ist promovierter Forscher an der Queen‘s University in Belfast, Irland, und Chargé d’Enseignements an der Université Lille 1, Frankreich. Zurzeit forscht er über vergleichende Politik in der Konfliktbearbeitung und Theorie der internationalen Beziehungen nach dem Ende des Kolonialismus. Er arbeitet an einem Buch über die Konfliktüberwindung in Nordirland und Sri Lanka mit dem Titel On equal terms? Managing violent conflict from Belfast to Colombo.

Rapti Siriwardane ist Doktorandin am ZEF (Zentrum für Entwicklungsforschung) an der Universität Bonn. An der National University of Singapore und der University of Oxford (UK) wurde sie zur Umweltanthropologin ausgebildet. Sie veröffentlichte zu Themen der politischen Ökologie, Gender und Entwicklungspolitik mit Schwerpunkt auf dem ländlichen England und Süd- und Südostasien. Ihre derzeitige Forschung über maritime Anthropologie wird vom DAAD und der Stiftung Fiat Panis finanziert. Darin geht es um Konflikte über natürliche Ressourcen im Kontext der Militarisierung von Sri Lankas Nordostküste.

Südasien 1/2015