Thomas Seibert
Ein Regierungswechsel ist noch kein gesellschaftlicher Wandel
Interview mit der Frauenrechtsaktivistin Shreen Saroor nach der Parlamentswahl im August in Sri Lanka

Der überraschende Regierungswechsel in Colombo im Januar 2015 ließ die Tamil(inn)en hoffen, dass ihre Wünsche und Forderungen die Aufarbeitung der Kriegsverbrechen betreffend nun endliche Gehör finden und umgesetzt würden. Nach Einschätzung von Shreen Saroor tat die neue Regierung bis jetzt jedoch nur so viel, wie nötig war, um die tamilischen Stimmen bei den Parlamentswahlen im August für sich zu gewinnen. Noch bleibt offen, wie mutig die Koalition Sirisenas ihr Versprechen eines guten Regierens umsetzen wird, für das eine umfassende Auseinandersetzung mit den in der Vergangenheit begangenen Menschenrechtsverletzungen die erste Voraussetzung ist.

Zur Interviewpartnerin
Shreen Saroor ist Frauenrechtlerin mit tamilisch-muslimischem Hintergrund, Gründerin der MWDF (Mannar Women’s Development Federation) und später des WAN (Women’s Action Network), eines landesweiten Zusammenschlusses lokaler Frauengruppen. Sie setzt sich seit Jahren für die Aussöhnung zwischen Tamilen und Singhalesen ein und ist Trägerin des Bremer Friedenspreises 2011.


Zum Interviewer
Das Gespräch führte Thomas Seibert, der es auch aus dem Englischen übersetzte. Er ist Südasienreferent bei medico international.

Südasien 3-4/2015