Anna Kollatz
Der Kaiser als Kitt der Gesellschaft
Integrationspolitik in Mogul-Indien

Integration ist aktuell eines der Reizworte gesellschaftlicher Diskurse und erscheint, gerade wenn man den bundesdeutschen Integrationsdiskurs verfolgt, als Problem der Moderne. Allerdings täuscht dieser Eindruck immens. Integration, also das friedliche Zusammenbringen unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen in einem geographischen und sozialen Raum, kann geradezu als anthropologische Konstante gewertet werden. Gerade für solche Räume, in denen die ethnische und religiöse Vielfalt schon sehr lange zu den prägenden Charakteristika der dort existierenden Gesellschaften gehörte, lohnt sich daher ein Blick in die Geschichte, der einerseits einen Kontrast zum aktuellen Bild bieten kann und damit zur Reflexion desselben anregt, andererseits aber auch langfristige Entwicklungen erkennbar werden lassen kann. In Indien ist auch aktuell wieder eine Tendenz der Abgrenzung bis hin zur Feindseligkeit zwischen den verschiedenen ethnischen und religiösen Gruppen innerhalb der Gesellschaft zu beobachten, die durchaus auch von Regierungsseite angefeuert wird. Anna Kollatz schaut in die Geschichte des Subkontinents, um ein Puzzlestück in die Geschichte der Integrationspolitik Indiens hinzuzufügen.

Zur Autorin
Anna Kollatz studierte Islamwissenschaft, Arabistik und Politikwissenschaft an der Martin-Luther Universität Halle-Wittenberg. 2011 Beginn eines Promotionsstudiums im Rahmen der Bonn International Graduate School – Oriental and Asian Studies an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn im Fach Islamwissenschaft. Seit 2013 ist Anna Kollatz wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt „Inspiration und Tradition – Synkretismus am Mogulhof unter Jahangir und seine Darstellung in Magalis-i Jahangir (ca. 1608-11) von ʿAbd al-Sattār b. Qāsim Lāhōrī,” aus dem auch ihre Dissertation hervorging. Die diesem Artikel zugrunde liegende Arbeit erscheint in der Reihe Narratio aliena? (EB Verlag Dr. Brandt, Berlin).

Südasien 3-4/2015